in meiner Praxis erlebe ich es täglich und jeder ist mit ihr konfrontiert. MUTTER – kaum ein anderes Wort löst eine so breite Palette an Gefühlen aus. Geliebt oder gehasst, manchmal beides. Für die einen löst es Liebe, Fürsorge, Geborgenheit und Unterstützung aus. Für die anderen Enttäuschung, Wut und oftmals sogar Hass. Die natürlichste Beziehung zwischen Mutter und Kind ist auch die schwierigste. Werfen wir doch mal einen Blick auf die ganzen Muttergottheiten, die es in fast allen Religionen gibt. Einerseits haben sie die Macht Leben zu schenken und zu schützen, andererseits können sie auch behindern und vernichten. Ein weiterer Blick auf Mutter Natur, hier ist die Ambivalenz deutlich sichtbar. Sie gibt Leben, nährt und schützt. Andererseits sind wir den Naturkatastrophen meist hilflos ausgeliefert. Mit Müttern und ihren Kindern ist es nicht viel anders. Die mütterliche Seite in uns versorgt Menschen und auch Tiere mit allem was sie brauchen. Kümmert sich, denkt für andere mit, versorgt, pflegt und man fühlt sich angenommen, geliebt und geborgen. Für ein kleines Kind aber auch für ein hilfsbedürftiges Wesen ein Segen. Aber dieser Segen kann auch schnell ins Gegenteil umschlagen. Nämlich dann, wenn der dunkle, destruktive und klammernde Teil der Mutter hervortritt. Sie mischt sich dann überall ein, respektiert keine Privatsphäre und Grenze, reagiert mit Vorwürfen und Liebesentzug. Kinder werden groß und selbstständig und die Aufgabe einer Mutter, ihr Kind vor Gefahren zu schützen verändert sich ins Gegenteil. Sie hindert ihr Kind wichtige und wertvolle Erfahrungen zu machen. Hindert ihr Kind selbstständig zu werden. Loslassen und ihre Kinder in ein eigenes Leben nach ihren eigenen Vorstellungen ziehen zu lassen ist oft ein sehr langer und schmerzhafter Prozess, aber er ist auch Teil einer natürlichen Ordnung.

Viele Frauen leben ihre Mütterlichkeit auch in der Partnerschaft aus. Sie bemuttern ihren Partner so sehr, das er seine Selbstständigkeit verliert. Er immer mehr wie ein kleines unselbstständiges und von ihr abhängiges Kind wird. Der seinen Alltag nicht mehr alleine bewältigen kann. Aber zu welchen Preis? Er und vielleicht auch sie verlieren jegliche Achtung vor sich selbst und vor dem anderen.

Einige Frauen versuchen um nicht loslassen zu müssen, die beste Freundin des Kindes zu werden. Vergesst dabei bitte nicht eins. Kinder haben viele Freunde, aber nur eine Mutter. Und diese Mutter wollen sie auch erleben. Und jetzt etwas ganz wichtiges, vor allem für alle Helikoptermütter. Eine perfekte Mutter gibt es nicht. Eine solche Mutter wäre auch unerträglich. Kinder brauchen fehlbare Mütter also menschliche Mütter. Mit ihren Stärken und Schwächen. Und Kinder brauchen Mütter, die ihnen ihren Segen geben, wenn sie in ihre Welt aufbrechen.